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Die musikalische Untermalung bei NWN ist gewohnt von höchster Qualität. Passend zur
Situation erklingen bombastische Orchesterstücke, mittelalterliche Lautenklänge
oder bedrohlich klingende Streicherensembles. Auch die Hintergrundsounds sind von
hoher Qualität: Gemurmel in der Taverne, Vogelgezwitscher in den Bäumen und
plätschernde Wasserfälle lassen den Spieler in eine fantastische Welt eintauchen.
Vorausgesetzt, die Nichtspielercharaktere halten ihren Mund! Denn die deutsche
Synchronisation ist von äußerst schwankender Qualität. Während manche Charaktere
wie Aribeth, die edle Paladin des Tyr, sehr solide synchronisiert wurden, weiß man
bei anderen nicht, ob man lachen oder weinen soll.

Natürlich sind solche Eindrücke
über die Syncronisation sehr subjektiv, aber Fürst Nasher, der Herrscher
von Niewinter klingt, als hätte er eine zu enge Unterhose an. Und Aarin Gend
lispelt manchmal ein wenig und hat eine für einen Superspion völlig indiskutable
Schuljungenstimme. Solche Fehlgriffe stören die Atmosphäre ein wenig.
Gewohnt souverän wurden die Monster synchronisiert. Auch auf Deutsch
grunzen und schnaufen die Oger und Riesen recht ansprechend und witzig durch
Höhlen und Wälder. Nur die Drachen wurden von Oma Hildegard aus Braunschweig
synchronisiert - einfach schrecklich und absolut stimmungsfeindlich!

Neverwinter Nights startete hierzulande mit der deutschen Version 1.14. Und die wurde
leider alles andere als "gesund geboren". In Internetforen beklagen
sich viele Spieler über Bugs in Hülle und Fülle: Das Spiel startet bei vielen erst
gar nicht, andere haben mit plötzlichen Systemabstürzen zu kämpfen, wiederum andere
beklagen Probleme im Mehrspielermodus.
Bei mir persönlich gab es einige Bugs im
Spiel und zwei Programmabstürze. Bei zwei exemplarischen Bugs hatte man die
Möglichkeit, seinen Helden ordentlich mit Abenteuerpunkten zu versorgen, da unter
gewissen Umständen ein relativ einfacher Gegner immer wieder getötet werden konnte
und eine durch Abenteuerpunkte belohnte Unterhaltung ständig zu wiederholen war.

Ein weiterer weitaus ärgerlicher Bug war im dritten Kapitel. Dort Muss man einen
Nichtspielercharakter als Anwalt verteidigen. Dazu werden Ihr Charakter und der
gegnerische Anwalt in ein Raum gebracht, wohin die Geschworenen und Zeugen
teleportiert werden. Speichert man jedoch ab, bevor die Geschworenen und Zeugen
herbeiteleportiert werden, so findet nach dem Laden der Teleportiervorgang nicht
mehr statt und der Fall gilt als verloren - der Angeklagte wird hingerichtet.
Auf einen Bug-Fix musste man zuerst warten. BioWare hatte einen
internationalen Patch für den Releasetag angekündigt, doch es kam leider gar
nichts und die treue Kundschaft wurde entäuscht.
Zum Glück sind aber einige Patches
nachgeliefert worden, so dass man jetzt in der Version 1.24 spielen kann.
Es wird aber trotzdem noch gelegentlich von Abstürzen berichtet.

Bei den inoffiziellen Vorgängern BG1 und 2 war der Mehrspielermodus ein hübsches
Beiwerk, mehr nicht. Bei NWN kommt ihm eine höhere Bedeutung
als der an sich grandiose Einzelspielermodus. Mit dem mitgelieferten Editor lässt
sich alles, aber auch wirklich alles ändern. Vom Aussehen über Sounds, Scripts,
Dialoge, Monster, Gegenstände etc.
Der Dungeon Master Modus, in dem man als "Gott"
oder "Meister" den Abenteurern im Mehrspielermodus vorgibt, was sie erleben sollen, ist
schlichtweg genial. Es ist das erste Mal, dass das beliebte AD&D Pen&Paper-System mit dem
PC (dazu auch noch gelungen) simuliert wird, eine wirkliche Innovation.

Sind die Mitspieler
gelangweilt, erschaffen Sie als "Meister" einfach einen Drachen vor ihren Augen, der sich über
sie lustig macht und sie dann angreift. Sie lassen ganze Berge entstehen und
lassen Monsterhorden auf die Spieler los. Sie belohnen sie mit magischen Gegenständen
und Gold, Sie bestrafen sie mit göttlicher Macht...
Es geht doch nichts über einen gepflegten Rollenspielabend mit Freunden. BioWare hat
dafür Sorge getragen, dass das Spiel der Pen&Paper-Vorlage sehr nahe kommt, ohne
dabei den Spieler mit Zahlen und Rechnereien zu erschlagen.
Benötigter Prozessor: Pentium® II 450 MHz oder AMD K6-2 450 MHz
Betriebssystem: Windows 98/ME/2000SP2/XP
Arbeitsspeicher: 96 MB RAM (Win98/Me), 128 MB RAM (Win2k/XP)
Festplattenspeicher: 1,2 GB
DirectX-Version: DirectX 8.1
Grafikkarte: 16 MB TNT2, OpenGL 1.2 kompatible
Soundkarte: Soundkarte mit DirectX-Unterstützung
Multiplayer: LAN oder Internet über IPX oder TCP/IP
Multiplayer mit Modem: 56k

Es gibt Spiele, bei denen man sagt: gut, es sind viele Bugs und Fehler dabei,
überleg Dir den Kauf. Dann gibt es Spiele, bei denen sagt man: das Programm ist
fehlerfrei, aber das Spiel ist langweilig. Und dann gibt es Spiele wie Neverwinter
Nights: Man muss es einfach mal gespielt haben.
Ich garantiere: Es sind weniger
Bugs als bei Diablo 2! Storytechnisch siedel ich NWN irgendwo bei BG2 an, technisch
an der Genrespitze. Der Spielspaß kommt am Anfang etwas langsam, dafür dann aber um
so gewaltiger.
Nie und nimmer wird es Phasen geben, in denen Sie sich fragen, was
Sie tun sollen. Wenn Sie etwas nicht tun können oder wollen, tun Sie bei NWN
einfach etwas anderes. Und das macht genauso Spaß. Der Mehrspielermodus sucht
seinesgleichen, und der Editor garantiert auch nach Monaten noch frischen und
kreativen Spielspaß.
Für mich ist Neverwinter Nights trotz Morrowind das
Rollenspielhighlight des Jahres, eben wegen eines sehr guten Einzelspieler- und
eines genialen Mehrspielerparts.
| Autor: | Maori Kunigo |
| eMail: | webmaster@neverwinter.de |
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© Maori Kunigo & Schattenjaeger.de
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