
Grafik, Sound und das Fazit zu Gabriel Knight 3!
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Die eigens für Gabriel Knight 3 entwickelte G-Engine hebt sich wie immer von der des Vorgängers
deutlich ab. War Gabriel Knight 2 noch in 2D-Grafik mit echten Schauspielern gehalten und
lockte damit auch Massen von ursprünglichen Nicht-PC-Spielern vor die Monitore, ist „Blut der
Heiligen, Blut der Verdammten“ ein 3D-Adventure.

Die Engine, für die sich maßgeblich ein
ehemaliger „Blood“-Entwickler verantwortlich zeichnet, stieß bei der Spiele-Fachpresse
(berechtigterweise) auf sehr gemischte Meinungen. Vielen war ganz einfach der plötzliche
Wechsel von 2D zu 3D zuwider, weil sie meinten, dass 3D-Charaktere keine Gefühle übermitteln
könnten. Anderen waren die etwas eckigen Landschaften und Gegenstände ein Dorn im Auge, sowie
die teilweise sehr mechanisch wirkenden Bewegungen der Charaktere, auf die schlicht zu wenig
Polygone angewendet wurden.
Andererseits hat die G-Engine auch ihre Vorzüge. So erlaubt sie
beispielsweise flüssige Lippenbewegungen, die perfekt den Texten der Charaktere angepasst
werden konnten. Überhaupt sind die Gesichter das absolute Grafik-Highlight des Spiels: Die
Gesichtszüge der Charaktere sind sehr gut an deren Situationen angepaßt und profitieren vor
allem von deren sehr schönen Augen(-brauen)spielen.
Auch die Schatten sind an einigen Stellen wirklich gut gelungen, an Lichtspielereien wie
Linseneffekten ist aber ansonsten gespart worden im doch so sonnigen Süden Frankreichs, was
aber auch für 1998 ein bisschen viel verlangt wäre.
Ein weiterer Kritikpunkt war bei manchen Zeitschriften auch die ungewohnte Steuerung, die die
3D-Engine mit sich brachte. Denn Gabriel Knight 3 ist zwar immer noch ein Point’n Click-Adventure,
aber eben im dreidimensionalen Raum. So kann man zwar in einem Landschaftsabschnitt
(mit dem Eintritt in einen neuen Landschaftsabschnitts – bspw. beim Betreten eines Gebäudes-
wird dieser von der Engine neu geladen) mit der Maus und der Tastatur „herumzoomen“, der
Spielercharakter bewegt sich jedoch erst mit einem Mausklick auf den angestrebten Zielpunkt.

Wenn nicht schon hier, dann sollte es spätestens beim Erblicken des Handlungsmenüs, was
Aktionen wie „Reden“ oder „Anschauen“ anbietet, auffallen, dass man es hierbei nicht mit
einem 3D-Action-Adventure oder einem umfunktionierten Ego-Shooter, sondern wirklich mit
einem waschechten Adventure aus der alten Schule zutun hat. Dieses Fenster kann per
Mausklick aufgerufen werden, wenn sich der Cursor beim Anvisieren eines wichtigen Objektes
verfärbt. In diesem Menü befindet sich auch immer ein im Inventar angewählter
Gegenstand.
Das Spiel unterstützt 3D-Grafikbeschleunigerkarten, mit denen man in einer Auflösung von bis
zu 1024x768 Pixeln spielen kann, setzt diese aber nicht voraus. Ein Pentium mit über 200 MHz
reicht aus, um das Spiel in einer Auflösung von mindestens 640x480 zu spielen.
Gabriel Knight 3 ist in den Genuss einer vorzüglichen deutschen Lokalisierung gekommen.
Dies gilt neben einer Menge an aufwendig übersetzten Dokumenten auch für die Dialoge
und sonstige Arten der Sprachausgabe.
Die Synchronsprecher der beiden Hauptfiguren Gabriel
und Grace passen hervorragend in ihre Rollen. So hält sich der deutsche Sprecher von Gabriel
gut an seine Vorlage aus der englischen Version, Tim Curry und sorgt immer wieder mit
Wortspielen und coolen (Macho-)Sprüchen für Schmunzeln.

An einigen Stellen im Spiel hat man
jedoch den Eindruck, die Sprecher wüssten gar nicht, was in der Szene, die sie da
synchronisieren tatsächlich passiert. Dies spiegelt sich oft in falschen Wortbetonungen
(„Was IST mit Ihnen?“ statt „Was ist mit IHNEN?“) wider. Auch die französische Sprache,
der man an manchen Stellen im Spiel lauschen darf, wirkt teilweise sehr abgelesen und ungeübt.
Das Italienisch dagegen von Vittorio Bucchelli, einem Touristen aus dem Hotel, ist
überzeugend.
Mit der Synchronisation kann man somit im Ganzen wirklich mehr als zufrieden
sein, da wir schließlich von einem Computerspiel und nicht von einem Kinofilm sprechen.
Die Musik für Gabriel Knight 3 ist, nach dem etwas mehr klassisch angehauchten zweiten Teil,
wieder von Swing- und Jazzelementen geprägt. An vielen Stellen im Spiel sind auch neu
überarbeitete Stücke aus den alten Gabriel Knight-Teilen zu hören, wie z.B. auch Gabriels
Leitmotiv.
Mir persönlich gefällt die Musik, die größtenteils wieder einmal von Robert Holmes stammt,
sehr gut.

Gabriel Knight 3 ist wie seine beiden Vorgänger eines der niveauvollsten Adventures überhaupt.
Das liegt zum Einen an der unglaublichen Story, die wieder einmal eine perfekte Mixtur
aus Geschichte und Fiktion darstellt und zum Anderen am professionellen Handlungsaufbau.
Von der Schwierigkeit her ist das Spiel etwas einfacher als die vorangegangenen Teile
und es dauert je nach dem etwa eine Woche, bis das Rätsel von Rennes-le-Chateau gelöst ist.
Die einzigartige Atmosphäre, die Gabriel Knight 3 bietet, liegt weniger in der Grafik, wie bei
anderen 3D-Spielen, sondern viel mehr in der Kunst, die Jensen zu beherrschen scheint,
Spannung und Entspannung gleichzeitig zu bieten. Das Spiel wird zu keinem Zeitpunkt stressig
und doch sitzt man vor Spannung oft wie gefesselt vor dem Bildschirm.
Ich selbst hoffe, dass es noch mindestens einen weiteren Teil dieser großartigen Adventure-Reihe
geben wird, was bislang, nach dem eher mäßigen Erfolg des dritten Teils in Europa, noch in den
Sternen steht. Das aussterbende Adventure-Genre darf sein liebstes Kind nicht mit ins Grab
reißen!
GK4ever!
© Dominik Weber & Schattenjaeger.de
Germany 2002