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In folgender misslicher Situation befand sich wohl nahezu jeder Computerspieler einmal, der schon zu
DOS-Zeiten zur Tastatur gegriffen hat:

Man besitzt einen aktuellen PC mit einem "super" Betriebssystem und
bekommt auf einmal Lust, einen alten Klassiker zu spielen, in den man vor
vielleicht zehn Jahren das letzte Mal reingeschaut hat. Doch auf die entflammte Vorfreude folgt die Ernüchterung.
Nach einem Doppelklick auf die Spielstart-EXE spuckt das Betriebssystem Fehlermeldungen aus. Das Spiel startet
hoffnungsvoll, doch die Maus will einfach nicht funktionieren. Es läuft so schnell, dass man nicht
hinterherkommt oder wenn man Glück hat, ist es spielbar doch kein Knacks entrinnt den voll aufgedrehten
Lautsprechern.
Dass Spiele anstandslos (unter zum Beispiel Windows XP) laufen, die vor mehr als 10 Jahren
für DOS geschrieben wurden, ist leider ziemlich unwahrscheinlich.
Doch was soll man machen, wenn das Herz nach einer Runde SimCity 2000 schreit? Rechte Maustaste auf die
Spielstart-EXE und weiter auf Eigenschaften eröffnet einige Optionen unter der Karteikarte "Kompatibilität". Doch
nachdem man zeitaufwendig alle möglichen Einstellungen durch die Testmühle gedreht hat, kommen von
Hoffnungslosigkeit gezeichnete Depressionen, da SimCity immer noch nicht läuft, die kultigen Duke-Sprüche oder
eine Runde Sternenschweif in weite Ferne rücken.
Kurze Anmerkung: Innerhalb dieses Berichtes sind keine Verweise enthalten. Eine geordnete
Linksammlung zu allen Quellen findet ihr auf der Extraseite "
Quellen und Links".
"Konventionelle" Methoden
Glücklich sind diejenigen, die noch irgendwo einen alten Pentium 200 oder eine ähnliche Kiste rumstehen haben.
Schnell DOS 6.22 darauf installiert, eventuell noch Windows 98 und dann kann es gleich losgehen, wenn das Spiel
nicht besonders auf konventionellen Speicher angewiesen ist.
Sternenschweif (DSA 2) braucht davon jedoch in der Regel
mehr als 580 kByte. Sind diese nicht vorhanden, da zum Beispiel beim Systemstart zu viele Treiber geladen wurden, muss man
erst mit dem nötigen Knowhow Hand an autoexec.bat und config.sys legen oder man erstellt sich eine angepasste
Startdiskette (nichts ist umsonst!). Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mich stundenlang auf der Suche nach freiem Speicher
mit "memmaker" beschäftigt habe.

Eine Parallelinstallation von Dos 6.22 zu XP auf einem aktuellen Rechner bringt so gut wie nichts, da
es besonders für moderne (USB-)Mäuse und Tastaturen keine DOS-Treiber gibt, von DOS-Treibern
für aktuelle (PCI-)Soundkarten und von Problemen mit dem veralteten FAT16-Dateisystem ganz zu schweigen.
Eine Parallelinstallation
von Windows 98 oder besser 98SE kann für das Erste weiterhelfen, da Windows 98 auf eine DOS-Grundlage
aufsetzt und dadurch viele DOS-Spiele problemlos funktionieren. Bei aktueller Hardware ist die
Treiberversorgung für Win98 noch recht gut, es kommt jedoch wiederum bei Spielen zu Problemen mit (USB-)Eingabegeräten
und (PCI-)Soundkarten, wenn man die an machen Stellen trickreiche Parallelinstallation gemeistert hat. Außerdem
bekommt man dadurch nicht das Problem in den Griff, dass alte Spiele auf aktuellen Rechnern teilweise unspielbar
schnell ablaufen.
Die konventionellen Möglichkeiten bringen einen letztendlich nicht viel weiter. Zu umständlich ist die Einrichtung,
zu benutzerunfreundlich der Betrieb und der Erfolgseintritt ist letztendlich noch nicht einmal gesichert.
Doch gibt es Alternativen?
DOSBox ist ein DOS-Emulator, der in erster Linie dafür erstellt wurde, dass DOS-Spiele auf aktuellen Systemen
laufen. Doch funktionieren auch viele normale DOS-Anwendungsprogramme mit DOSBox, die jedoch nicht "offiziell" unterstützt werden.
DOSBox ist ein OpenSource-Projekt und damit kostenlos erhältlich, nicht nur für Windows, sondern auch für Linux,
MacOS und weitere Betriebssysteme.
DOSBox ein DOS-Emulator - was heißst das? DOSBox gaukelt der Anwendung/dem Spiel ein DOS-Betriebssystem vor.
Anstatt
die Eingabe/Ausgabe-Befehle direkt an Soundkarte und Grafikkarte weiterzugeben, konvertiert DOSBox die Befehle in eine
für das verwendete Betriebssystem verständlichen Sprache und übergibt sie an das Betriebssystem. Das spricht dann die
Hardware an und schließlich erklingt Musik oder das Monitorbild wechselt.
Weiter verdeutlicht wird die Funktionsweise von DOSBox an Hand eines kleinen Beispiels: Ich habe ein Spiel mit DOSBox
erfolgreich gestartet. Wie man das macht,
wird in dem folgenden Kapitel erklärt.
Nun klicke ich mit der Maus in dem Anfangsmenü des Spiels
auf den Button "Spiel Starten". Mein Betriebssystem Windows XP realisiert den Klick und sagt DOSBox "Klick auf
Koordinate XY". DOSBox wandelt dies in DOS-Sprache um und sagt dem Spiel in DOS-Sprache "Klick auf Koordinate
XY".
Das Spiel realisiert, es wurde auf den Startbutton geklickt, und sagt DOSBox "Ton Z abspielen" und
"Bild wechseln". DOSBox berechnet die Befehle (hierbei sehr hoher Rechenaufwand) und konvertiert die Ergebnisse
in eine für Windows verständliche Sprache. Die Befehle werden an Windows übergeben, das sie an Soundkarte und Grafikkarte
(Grafikkarte an Bildschirm) weiterleitet. Soundkarte und
Grafikkarte müssen keine sonst üblichen eigenen Berechnungen mehr durchführen sondern nur noch eine
entsprechende Ausgabe abliefern. Die Berechnungen werden alle durch DOSBox über den Prozessor durchgeführt,
der somit zusätzlich zur der von dem Prozessor
gewöhnlichen Rechenarbeit den Sound und die Grafikausgabe berechnen muss.
Das heißt, benutzt man DOSBox, bringt
die schnellste Grafikkarte nichts, es kommt nur auf die rohe Rechenleistung an.
The Cabal, August 2004
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