
Das Spiel, das das Rollenspiel-Genre wiederbelebte!
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Als einige Spielemagazine das Computerrollenspiel schon totge- schrieben hatten,
und der letzte Hoffnungsträger LMK, der in der Welt des Schwarzen Auges spielen sollte,
ebenfalls kurz vor Beendigung eingestellt
wurde, wagte die kleine bis dato recht unbekannte Softwarschmiede
Bioware einen fast
hoffnungslosen Versuch, die als sehr schwierig geltenden Rollenpiele
wiederzubeleben.
Und Bingo - Baldurs Gate wurde im Dezember 1998 ein voller Erfolg. Kein Wunder,
basiert es doch auf dem weltweit populärsten Pen&Paper System AD&D.
Zwei Wochen nach dem Erscheinen der englischen Version wurde auch eine deutsche Version veröffentlicht.

Nachdem ihr
euch entweder für ein Singleplayer oder ein Multiplayer Spiel (wobei ihr
entweder alle Charaktere übernehmt oder via Netzwerk oder Internet mit mehreren
Spielern spielt) entschieden habt, generiert ihr getreu den AD&D Regeln einen
Spielcharakter.
Das heißt erst wird Geschlecht, Beruf und Rasse festgelegt,
anschließend würfelt ihr die verschiedenen Charakterwerte wie Stärke, Geschicklichkeit
oder Intelligenz aus. Dabei hat Bioware eine praktische Speicherfunktion integriert.

Seid ihr fertig, findet ihr euch an der Schwertküste wieder, genauer gesagt
in Kerzenburg, wo ihr erst einmal in alle Funktionen des Spiels unterwiesen
werdet, erste kleine Aufträge bekommt und natürlich auch euren ersten Kampf
besteht.
Doch weil ja alles so schön ruhig und hübsch ist, könnt ihr natürlich
nicht bleiben, sondern müßt sofort von hier fliehen. Und hier beginnt das
eigentliche Spiel, die Suche nach eurer Herkunft und weshalb man euch tot sehen
will.

Doch bis zur Antwort (mehr verrate ich nämlich hier nicht) sind ca 200
Stunden feinstes Rollenspiel garantiert, in denen ihr den Fragen Wer? und Warum?
beständig näher kommt, wobei ihr Städte, Wälder, Ruinen oder finstere Verliese
durchstreift, Geheimnisse entdeckt, coole Waffen und mächtige Artefakte findet
oder Aufträge der Bewohner erledigt.
Aufgelockert wird das Geschehen gelegentlich
durch kurze aber sehr hübsche Videosequenzen. Diese könnt ihr euch hinterher
immer wieder im Startbildschirm anschauen. Während ihr euch so um die Sorgen der
Schwertküste kümmert, bleiben kleinere Reibereien natürlich nicht aus.

Wäre ja
auch langweilig so ganz ohne Gemetzel. Deshalb gibt es zirka 100 verschiedene
Monster, vom hinterlistigen Kobold bis zum ausgewachsenen Dämon ist alles dabei. Doch
auch die schönste Metzelei wird auf Dauer eintönig.
Wahrscheinlich hat Bioware
deshalb die ca. 150 Zaubersprüche eingebaut. Effektvoll dargestellt kommt doch erst so
richtig Schwung ins Spiel. Hier sollte man sich auch ruhig etwas mehr Zeit
nehmen und öfters im Handbuch nachschlagen, da deren Wirkung Anfangs recht
verwirrend ist. Bald hat man aber den Dreh raus und seine Lieblingszauber samt
zugehöriger Strategie gefunden.

Das ist auch wichtig, denn anders als in anderen
Spielen hat das Verletzten von neutralen Personen, z.B. durch einen zu voreilig
gesprochenen Feuerball, ernsthafte Folgen. Natürlich müßt ihr nicht als
herzensguter Held durch die Gegend ziehen, wer lieber einen Bösewicht spielen
möchte - bitte schön, aber gewisse Grundregeln müssen eingehalten werden oder
ihr habt bald Kampfmagier auf den Fersen.
Während ihr also die tollen Landschaften bestaunt, euch hinterhältigen Angriffen erwehrt und
Sammelleidenschaften frönt, trefft ihr immer wieder auf NPC's, die sich euch
anschließen wollen.

Alle haben ihre Vorlieben und Abneigungen, was dazu führt das
zwischen den Gruppenmitgliedern immer wieder Gespräche stattfinden. Diese können
bei zu großer Abneigung sogar in einem handfesten Duell enden.
Ärgerlicher Weise
gibt es manche NPC's nur im Doppelpack mit ihrem Partner. Wenn man hiervon
einen wieder wegjagt, verlässt uns der andere ebenfalls.
Immer wieder
geschieht es dann, dass sich der unbeliebte NPC wagemutig, ganz allein auf die
nächste Horde Monster stürzt. Was für ein Held - sich so selbstlos zu opfern ;o).

Wie ihr die Schwertküste durchstreift bleibt euch überlassen. Die Haupthandlung
setzt sich erst fort, wenn ihr das möchtet. Also bleibt euch alle Zeit der Welt
für die massigen Nebenaufgaben, wovon es auf jeder Karte mindestens zwei gibt.
Ja
die Schwertküste lebt und das hat Bioware auch überzeugend rübergebracht, egal ob
Marktschreier oder spielende Kinder irgendwas ist immer los. Nachts werden diese
dann durch Bettler und Kurtisanen ersetzt.
Schön ist dabei, dass man mit jedem
kommunizieren kann, einige Aufgaben lassen sich gar erst lösen, wenn man gewisse
Informationen erhalten hat.

Und sollte das alles nicht genug sein, dann
installiert doch gleich das Ad On "Legenden der Schwertküste" mit. hier erwarten
euch neue Gebiete und Aufgaben natürlich auch mit neuen Belohnungen. Das Ganze
gibt es mittlerweile sowieso nur noch im Paket, Kostenpunkt ca 49,-DM.
Natürlich
könnte es sein, dass ihr nun immer noch nicht genug bekommen habt. In diesem Falle
hilft erstens: nochmals durchspielen, wobei ihr garantiert eine Menge Dinge
entdeckt, die euch beim ersten Mal nicht aufgefallen sind oder zweitens: die Hompage
von TEAMBG besuchen und das inoffizielle Ad On "The Dark Side of the Sword Coast"
herunterladen. Das wären ungefähr 20 MB, was sich aber lohnt.

Das Einzige, was mich an
BG wirklich genervt hat, war das unheimlich schlechte Pathfinding. Deshalb immer
schön nachgeschaut, ob die ganze Herde auch noch zusammen ist. Nichts ist
ärgerlicher, als wenn einer eurer Recken in die falsche Richtung und direkt in
eine Falle läuft.
Zum Problem werden hier auch enge Gänge, da die Helden nicht
zur Seite treten um einen anderen vorbeizulassen. Dieses Rangieren ist zwar
furchtbar nervig, aber man gewöhnt sich schnell daran, so dass es bald in Fleisch
und Blut übergeht. Für große Wege durch schon erforschtes Terrain ist daher der
Teleport Cheat durchaus angebracht.
Bleibt noch zu erwähnen das man seine Charakter(e) natürlich im
erschienenen zweiten Teil weiterspielen kann und voraussichtlich auch in dem im
Herbst 2001 erscheinenden "Neverwinter Nights".
| Autor: | Mit freundlichem Horrido: Curom |
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